Strahlentherapie des Morbus Dupuytren / Ledderhose
Die Strahlentherapie ist eine nicht-operative Behandlung, die den Fortschritt der Krankheit bereits im frühen Stadium (Stadium N) aufzuhalten vermag. Hierbei werden die betroffenen Bereiche der Hand oder des Fußes mit einem Sicherheitsabstand von 0,5 - 2 cm mit Hilfe oberflächlich wirksamer weicher Röntgenstrahlung (z. B. 120 kV) oder Elektronen (4 - 10 MeV) bestrahlt. Bereiche, die nicht betroffen sind, werden mit Abschirmungen aus Blei aus dem Strahlenfeld ausgeblendet. Damit ist eine individuelle Anpassung des Strahlenfeldes möglich.
Für die Bestrahlung haben sich verschiedene Konzepte bewährt: als Einzeldosen werden 2 – 4 Gy gegeben, in der Gesamtdosis wurden klinische Erfahrungen mit 20 – 40 Gy gemacht. Zur Zeit wird untersucht, ob die Gesamtdosis von 30 Gy (10 Bestrahlungen zu je 3 Gy in zwei Serien von 15 Gy) auf 21 Gy (7 Bestrahlungen zu je 3 Gy in einer Serie) oder vielleicht noch weiter abgesenkt werden kann. Wird das erste Bestrahlungskonzept gewählt, so werden die ersten fünf Behandlungen an fünf aufeinander folgenden Tagen (z. B. Montag bis Freitag) mit einer Einzeldosis von 3 Gy bis zu einer Dosis von 15 Gy bestrahlt; nach einer Pause von 6 - 12 Wochen (2 - 3 Monate) erfolgt die zweite Bestrahlungsserie in gleicher Weise über eine Woche bis zu einer Gesamtdosis von 30Gy.

Strahlentherapie der Dupuytren'schen Krankheit mit Röntgenstrahlen. Die Strahlung wird durch das Gerät selbst abgeschirmt, eine Bleimaske zwischen Konus und Hand schützt die gesunden Teile der Hand, eine Bleischürze den Unterleib.
(Dieses Bild wurde uns zur Verfügung gestellt vom Alfried-Krupp-Krankenaus, Essen)
Eine erste Nachuntersuchung sollte 3 Monate und eine weitere 12 Monate (1 Jahr) nach Abschluß der Radiotherapie erfolgen: dabei wird vor allem untersucht, inwieweit sich die vorherigen Knoten und Stränge verändert haben und ob es zu funktionellen Einschränkungen der Finger- und Handfunktion gekommen ist; weiterhin wird untersucht, ob langfristig Veränderungen in dem bestrahlten Gebiet aufgetreten sind. Dazu ist eine sorgfältige Dokumentation der Erkrankung vor Beginn der Therapie und im langfristigen Verlauf notwendig (z. B. Fotografie, Erhebungsbögen).
Positive Wirkungen der Strahlentherapie
Eine Strahlenbehandlung ist nur bei aktiver und zunehmender Erkrankung und vor allem im Anfangsstadium der Krankheit sehr wirkungsvoll. Dabei werden die Zellen, die für die Knotenbildung verantwortlich sind, die sogenannten Fibroblasten (= Mutterzellen des Bindegewebes) durch die Bestrahlung in ihrer Teilungsfähigkeit stark eingeschränkt, wodurch die weitere Knotenbildung unterbunden oder reduziert wird. So können kleine Knoten sogar vollständig verschwinden und erscheinen dann lange Zeit nicht wieder. Oft bleibt die Erkrankung auf dem Stand zum Zeitpunkt der Bestrahlung stehen.
Nur ein kleiner Teil der Patienten zeigt nach der Bestrahlung im Verlauf ein weiteres, oft aber verlangsamtes Fortschreiten der Erkrankung. In den fortgeschritteneren Stadien der Krankheit, z. B. wenn einzelne oder mehrere Finger schon gekrümmt sind, kann die Strahlentherapie das weitere Fortschreiten der Krankheit nicht mehr zuverlässig aufhalten. Generell können gekrümmte Finger durch die Strahlentherapie nicht wieder streckbar gemacht werden.
Bei einer Untersuchung der Universität Erlangen konnte festgestellt werden, dass auch nach 10 Jahren bei 84 % der untersuchten Patienten im Stadium N (nur Knoten und Stränge) und 67 % im Stadium N/I (Beugekontraktur 1-5°) der Krankheitszustand stabil oder besser war (siehe die unten zitierte Arbeit von Adamietz und anderen).
Die folgende Abbildung ist einem Vortrag von Seegenschmiedt et al. bei der amerikanischen ASSH (=Handchirurgen)-Konferenz 2006 entnommen. Sie beschreibt die möglichen klinischen Einflüsse der Bestrahlung: (1) Rückgang der Symptome, (2) Stillstand der Erkrankung oder (3) Verzögerung des Krankheitsverlaufes. Dadurch kann eine Operation (OP = Stern) hinausgezögert oder eventuell sogar ganz vermieden werden. Die blauen Kurven beschreiben qualitativ der Krankheitsverlauf nach der Strahlentherapie, wobei die gestrichelte Linie eine mögliche "Heilung im Frühstadium" andeutet. Die roten Linien zeigen den möglichen Verlauf bei chirurgischer Behandlung. Weitere Details entnehmen Sie bitte der vollständigen Präsentation (in Englisch).
Zusammenfassung: Durch die Bestrahlung der „aktiven Krankheitsherde“ im Frühstadium kann also eine Operation (OP) hinausgezögert oder eventuell sogar ganz vermieden werden. Falls jedoch die Bestrahlung im Frühstadium nicht hilft, ist auch zu einem späteren Zeitpunkt immer noch ein handchirurgischer Eingriff möglich.
Ein Problem der Strahlentherapie ist aber, dass viele Patienten ihren Haus- oder Facharzt nicht im frühen Stadium konsultieren, solange die Knoten erst einige Millimeter groß sind und die Strahlentherapie am wirkungsvollsten ist. Ein weiteres Problem ist, dass die Möglichkeiten der Strahlentherapie des Dupuytren generell und auch bei vielen Fachärzten nicht bekannt sind. Deshalb verweisen wir auf dieser Seite auf Kliniken in Deutschland, die mit der Strahlenbehandlung langjährige Erfahrung haben, und auf Einrichtungen, die langfristig eine begleitende klinische Forschung durchführen.
Strahlentherapie der Ledderhose-Krankheit
Das oben Gesagte gilt analog auch für die Ledderhose-Krankheit. Anders als bei der Dupuytren-Krankheit treten bei der Ledderhose-Krankheit kaum Stränge, dafür aber größere Knoten auf. Die Strahlentherapie behandelt meist auch diese fortgeschrittenen Knoten. Die folgenden Bilder wurden uns von Dr. Herkströter von den Städtischen Kliniken Frankfurt/M.-Höchst zur Verfügung gestellt und zeigen die Vorbereitung einer Behandlung mit Röntgenstrahlen.
Markieren des Ledderhose-Knotens (im Zentrum) und der zu bestrahlenden Fläche vor der Behandlung.

Der nicht zu bestrahlende Teil des Fußes wird bei Behandlung mit Röntgenstrahlen durch eine angepasste Bleimaske geschützt.

Behandlungsposition. Das Röntgengerät ist an den Fuß angesetzt.
(die Bilder wurden uns von den Städtischen Kliniken Frankfurt/M.-Höchst zur Verfügung gestellt)
Weitere Seiten:
Mögliche Nebenwirkungen der Strahlentherapie der Dupuytrenschen Krankheit
Literatur zur Strahlentherapie des Morbus Dupuytren und Ledderhose
Seite zuletzt überarbeitet am
23.07.09
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