Verlauf der Krankheit
Der natürliche Verlauf der Dupuytrenschen Kontraktur ist dadurch gekennzeichnet, dass die zunächst ziemlich unauffällige, aber tastbare, knotenartige Verhärtung über einige Jahre wächst oder auch unverändert bleiben kann. Während sich die ursprünglichen Knoten manchmal sogar teilweise zurückbilden, entwickeln sich allmählich entlang der Sehnen Stränge, die aber nicht Teil der Sehenen sind und vornehmlich aus Kollagenfasern bestehen. Diese Stränge verhindern zunehmend die Streckkung der befallenen Finger und führen so zur Fingerkontraktur, der Dupuytrenschen Kontraktur. In der Regel wird erst in diesem fortgeschrittenen Stadium an eine Behandlung, namentlich an die Operation (OP) gedacht.
Die unterstehende Abbildung zeigt ein Beispiel für den Morbus Dupuytren mit zwei Knoten (größere Wucherung oben und kleinerer Knoten darunter, jeweils durch punktierte Linien gekennzeichnet). In diesem Stadium liegt noch keine Kontraktur der Finger vor:

(die Abbildung wurde von der Universitätsklinik Erlangen zur Verfügung gestellt)
Im fortgeschrittenen Stadium kann die Streckung der Finger so weit eingeschränkt sein, dass Hautfalten nicht austrocknen und sich eventuell entzünden (diese Abbildung wurde uns zur Verfügung gestellt durch Dr. A. Meinel, Dupuytren-Ambulanz). Diese Stellen sollten auf alle Fälle trocken gehalten werden bis der Finger therapeutisch, z. B. durch Nadelfasziotomie oder OP, dauerhaft wieder streckbar wird.
Schließen Sie zuerst andere Krankheiten und Ursachen aus!
Wichtiger Hinweis: nicht jeder Knoten in der Handinnenfläche ist eine Dupuytren-Knoten. Es gibt eine Vielzahl anderer Gründe für Knotenbildung an der Hand. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass die Erkrankung durch einen Arzt zuverlässig diagnostiziert wird, bevor über eine Therapie entschieden wird! Bitte entscheiden Sie auf keinen Fall selbst, was Sie haben!. Gerade bei jungen Patienten sollte auf alle Fälle ausgeschlossen werden, dass ein Krebs vorliegt (als Beispiel B. Del Frari, B. G. Zelger und H. Piza-Katzer, Das Epithelioidsarkom der Hand, selten primär richtig diagnostiziert, Handchir Mikrochir plast Chir, Vol. 36/5 (2004), p 313 - 317).
Ein (englischer) Artikel in emedicine (link: dupuytren_contracture) listet eine Reihe anderer Krankheiten auf, die ebenfalls zu Knoten oder Verdickungen der Hand führen können, die aber nichts mit der Dupuytrenschen Krankheit zu tun haben und deshalb auch ganz andere und unterschiedliche Behandlungen verlangen. Hier einige Beispiele:
- Callus
- Epithelsarkom
- Ganglionzyste
- Tenosynovitis (Entzündung der Sehnenscheide)
- Großzellentumor an der Sehnenscheide
- Vorfall der Beugesehne
- Lähmung des ulnaren Nervs
- Kamptodactylie
- Fibrom und Fibromatose
- Sehnenentzündung der Hand.
Einteilung der Stadien der Dupuytrenschen Kontraktur
Bei der Dupuytren'schen Kontraktur werden verschiedene Stadien unterschieden, abhängig vom Streckdefizit (Kontraktur), das als Abweichung von der Normalstellung gemessen wird. Das Steckdefizit wird dabei als Summe der Streckdefizite über alle Gelenke des jeweiligen Fingers definiert. Diese Definition geht auf Tubiana zurück und wurde für das Anfangsstadium noch etwas erweitert.
| Stadium | Kontraktur | Bemerkung |
|---|---|---|
|
0 Grad |
gesund |
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0 Grad |
fühlbare Knoten/Stränge |
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1-5 Grad |
beginnende Kontraktur |
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6-45 Grad |
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46-90 Grad |
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91-135 Grad |
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> 135 Grad |
Bestimmung des Winkels (Streckdefizit) bei der Dupuytren'schen Kontraktur.
In dieser Abbildung sind die Stadien N und N/1 ausgelassen und Stadium 1 ist 0 - 45 Grad.
(zu Verfügung gestellt von Dr. Charles Eaton, Florida Handcenter)
Beispiele der Stadien der Dupuytren'schen Kontraktur
Stadium 1 (Winkel < 45 deg, von Dr. A. Meinel)
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Stadium 2 (Winkel > 45 Grad; von Dr. Ch. Eaton) |
Stadium 3 (Winkel > 90 Grad, von Dr. A. Meinel)
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Stadium 4 (Winkel > 135 Grad, von Dr. K. Denkler)
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Die Wahl der richtigen Therapie der Dupuytren'schen Kontraktur
Die derzeit eingesetzten Therapien sind zum Teil nicht in allen Stadien des Morbus Dupuytren gleich wirksam. Hier eine Übersicht:
• = gut geeignet, üblicher Anwendungsbereich
° = geeignet, wird gelegentlich verwendet
| Stadium | N |
N/I |
I |
II |
III |
IV |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Strahlentherapie | • |
° |
||||
| Nadelfasziotomie | ° |
• |
° |
° |
° |
|
| Handoperation | • |
• |
• |
° |
Hinweise:
Das Stadium ist nicht das einzige Kriterium für die Wahl der geeigneten Therapie. Zum Beispiel ist eine Nadelfasziotomie im Stadium II, wo man sich normalerweise eher für ein OP entscheiden würde, für einige Patienten u. U. doch eine gute Option, weil sie für eine Operation nicht gut geeignet sind, zum Beispiel weil sie zu alt sind oder Blutverdünner nehmen müssen.
Statt "Nadelfasziotomie" wird gelegentlich auch die Bezeichnung "Fibrosenperforation" verwendet. Im Englischen wird diese Art der Behandlung Needle Aponeurotomy (auch Needle Aponevrotomy) bzw. abgekürzt NA genannt. Vor allem in medizinischen Veröffentlichungen wird auch die Bezeichnung Perkutane Nadelfasziotomie (PNF) verwendet.
Seite zuletzt überarbeitet: 22.06.2009

