Therapien im experimentellen oder Forschungsstadium

 

Stoßwellen
 

Stoßwellen, die auch eingesetzt werden um z. B. Nierensteine zu zertrümmern, werden mit niedrigerer Energie (1/10) gelegentlich und wohl mit gutem Erfolg auch für die Behandlung von IPP verwendet. Wir haben Hinweise, dass diese Therapie in einzelnen Fällen bei Ledderhose geholfen hat, haben aber keine Nachweise mit höheren Fallzahlen für die Wirksamkeit dieser Methode. Link: shock_wave Zum Teil wird die Anwendung von Stoßwellen bei Morbus Dupuytren oder Morbus Ledderhose eher kritisch beurteilt (siehe z. B. J. Haist "Die extrakorporale Stosswellentherapie in der Behandlung des M. Dupuytren sowie des M. Ledderhose" Abstract, 46. Jahrestagung der Norddeutschen Orthopädenvereinigung e.V., Bremen, 12.-14. 6. 1997. Zitat: "As conclusion of our results we can not advice the shock wave therapy in the therapy in the Dupuytren's or Ledderhose's contracture" - Unsere Übersetzung: "Zusammenfassend können wir die Stoßwellentherapie für die Dupuytrensche Kontraktur und Ledderhose nicht empfehlen").

2011/12 lief in Hannover an der Med. Hochschule in der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie eine Studie über die Wirksamkeit von hochenergetischen fokussierten Stosswellen auf tastbare Strängen und Knoten bei Morbus Dupuytren. Erste Ergebnisse wurden 2012 auf der Tagung der DGH in Lübeck vorgestellt DGH_2012 und zeigen bei einigen Patienten schmerzreduzierende Wirkung. Manche Patienten berichten aber auch, dass die Behandlung wirkungslos war. Im Gegensatz zur üblichen (radialen) Stoßwellenbehandlung verwendet die fokussierte Stoßwellentherapie höhere Energien und erzielt durch die Fokussierung eine deutlich höhere Energiedichte. Weitere Ergebnisse wurden unseres Wissens nach bisher nicht veröffentlicht, Noch fehlt eine aussagekräftige Studie mit deutlich höheren Fallzahlen, sowie Verständnis etwaiger Nebenwirkungen und Aussagen über die Nachhaltigkeit der Behandlung.

Neuere Literatur: Karsten Knobloch, Jörn Redeker, Peter M. Vogt "Stoßwellentherapie
in der plastischen Chirurgie" Plastische Chirurgie 2 (2009) S. 9-16, dort insbesondere S. 11-13 Volltext.

 

Cryotherapie (bisher nur für Ledderhose-Krankheit)

In einem englischen Artikel wird für den Morbus Ledderhose eine sogenannte Cryotherapie vorgeschlagen und von einem (nur einem!) Fall berichtet, bei dem sie erfolgreich angewandt wurde (cryotherapy). Dabei werden der Knoten und das umliegende Gewebe schnell tiefgefroren. So sterben Nervenenden ab, die Schmerzen werden geringer und in dem vorgestellten Fall wurden auch die Knoten kleiner. Vor kurzem wurde eine zweite Behandlung in einem US-Forum dokumentiert, von der wir hier Behandlungsdetails veröffentlichen können (in Englisch). In diesem Fall reduzierte die Cryotherapie die Größe der beiden Knoten um je ca. 50 %. Weitere Behandlungen sind uns nicht bekannt, ebenso keine Angaben über Nebenwirkungen und keine Langzeituntersuchungen. Deshalb stufen wir diese Methode derzeit noch als experimentell ein. Bei einer Behandlung des Morbus Dupuytren haben wir auch etwas Zweifel wegen der Auswirkung des Abtöten von Nerven in der Hand. Für die Behandlung des Morbus Ledderhose scheint die Cryotherapie jedoch eine Chance zu bieten. Weitere Informationen bezüglich der Cryotherapie finden Sie auch auf der web site der Fa. Cryotech (auf Englisch).

Wichtig scheint ein Hinweis eines Patienten zu sein, der seine Ledderhose-Knoten schon mehrfach mit Cryotherapie behandeln ließ. Er meint, dass es die Sonde auf keinen Fall unterhalb der Haut zu weiteren Knoten geschoben werden soll, sondern jeder Knoten direkt sondiert werden soll. Dabei entstehen zwar u. U. mehrere Wunden, jedoch sind diese viel kleiner und heilen deutlich schneller.

Einen Überblick über Behandlungsmethoden der Ledderhose-Krankheit, mit Schwerpunkt auf Cryotherapie, gibt TL Spilken "Cryotherapy and Other Therapeutical Options for Plantar Fibromatosis" in Ch. Eaton et al. (Eds.) "Dupuytren's Disease and Related Hyperproliferative Disorders" (Springer 2012) ebook.

In Europa ist die Cryotherapie für Ledderhose noch kaum verbreitet. Uns ist bisher nur eine einzige (englische) Klinik bekannt, die diese Behandlung anbietet Barn_clinic.

Eine Patientin berichtet von einer "kleinen" Cryotherapie. Dabei wird der flüssige Stickstoff nicht über eine Sonde zum Knoten geleitet, sondern aufgesprüht. Dies soll bei kleinen Knoten, die direkt unter der Haut liegen, wirken. Für größere. tief reichende Knoten ist wohl die Sonde nötig.

 

Lasertherapie

Die Lasertherapie wird gelegentlich zur Behandlung der Ledderhose-Krankheit eingesetzt (für Anwendung bei Dupuytrenscher Kontraktur haben wir bisher keine Hinweise gefunden). Es bestehen Zweifel bezüglich der Wirksamkeit, aber wir wissen von Patienten, die mit dieser Therapie zufrieden und deren Knoten geschrumpft sind. Die Wirksamkeit der Therapie könnte von der Art des Lasers abhängen und von der Größe der Knoten, wobei sie im Anfangsstadium wahrscheinlich am besten ist. Bis zur Veröffentlichung aussagekräftiger Statistiken über die Wirksamkeit betrachten wir die Lasertherapie für Ledderhose als experimentell.


Antiestrogen (Tamoxifen)

Die Forschung scheint bei dieser Therapie auf Laborversuche beschränkt zu sein und die Verwendung des Krebsmittels Tamoxifen als Therapie für die Dupuytrensche Krankheit kann deshalb nicht als erprobte Therapie bezeichnet werden. Vielleicht kann man zukünftig mit Tamoxifen die Krankheit aufhalten oder sogar rückgängig machen ("Tamoxifen, by neutralizing or downregulating TGF_2, may prove to be a method to manipulate and control Dupuytren’s contracture in the clinical setting. Eventually, through further clinical investigation, it may be possible to halt or even reverse this progressive and debilitating disease."). Zitiert nach M. A. Kuhn, X. Wang,  W. G. Payne, F. Ko, and M. C. Robson, Tamoxifen Decreases Fibroblast Function and Downregulates TGF_2 in Dupuytren’s Affected Palmar Fascia, Journal of Surgical Research 103 (2002) p 146–152. -- Inzwischen wurde die Bedeutung von TGF_2 für die Dupuytrensche Krankheit allerdings in Frage gestellt: R. Tse, J. Howard, Y. Wu, and B. S. Gan "Enhanced Dupuytren's disease fibroblast populated collagen lattice contraction is independent of endogenous active TGF-β2" BMC Musculoskelet Disord. 5 (2004) p 41-48 full_text-Englisch.

 

5-Fluorouracil

Laborexperimente zeigen für 5-Fluorouracil eine dosisabhängige, selektive und spezifische Abnahme der Kollagenproduktion der Fibroblasten. "The clinical implication is that 5-fluorouracil could possibly reduce extracellular matrix production and therefore reduce recurrence of Dupuytren's disease of the hand." NW Bulstrode et al. "5-Fluorouracil Selectively Inhibits Collagen Synthesis" Plastic & Reconstructive Surgery 116 (2005) p 209-221 abstract  - Allerdings ließ sich bei einer kleinen Studie mit Kontrollgruppe in der Praxis kein signifikanter Vorteil von Auftragen von 5-Fluorouracil auf die Haut nachweisen: NW Bulstrode at al. A prospective randomised clinical trial of the intra-operative use of 5-fluorouracil on the outcome of dupuytren's disease" J Hand Surg [Br] 29 (2004) p 18-21 abstract. - Siehe auch Sandra Kraljevic Pavelic et al. "Screening of potential prodrugs on cells derived from Dupuytren's disease patients" Biomedicine & Pharmacotherapy abstract_Englisch .

 

Druckmassage

Drei Patienten haben unabhängig voneinander berichtet, dass intensive Massage ihrer Stränge und Knoten über mehrere Monate hinweg das Ledderhosegewebe weicher gemacht und zum Schrumpfen gebracht hat. In einem Fall wurde diese Beobachtung durch einen Chirurgen bestätigt. Wir wissen aber nicht, ob dieses Ergebnis auf alle Patienten übertragbar ist. Die Druckmassage ist weit weg von einer etablierten Therapie, aber erwähnenswert, weil sie einfach durchzuführen ist, keine Nebenwirkungen hat und in günstigen Fällen möglicherweise Erfolgsaussichten bietet. Wichtig scheint zu sein, dass die Massage intensiv (1/2 - 2 Std/Tag), täglich und über Monate hinweg durchgeführt wird. - Bei der Massage sollte ein Dehnen der Knoten i.a. vermieden werden, weil dies vermutlich zur Ausbildung von Strängen führt.

 

Änderung der Ernährung, verschiedene Diäten

Verschiedene Diäten wurden vorgeschlagen um das Wachstum von Tumoren zu verringern oder aufzuhalten. Die bekanntesten sind vermutlich jene, die auf der Warburg Hypothese beruhen. Otto Heinrich Warburg, Nobel-Preisträger für Medizin im Jahr 1931, beobachtete, dass Krebszellen ihre Energie vor allem aus Glukose beziehen und nicht durch Absorption von Sauerstoff aus dem Blut, wie das normale Zellen tun. Er war der Meinung, dass diese Änderung des Stoffwechsels normale Zellen zu Krebszellen entarten lässt. Inzwischen konnte seine Hypothese wohl bestätigt werden (Warburg bestätigt).

Andere Diätvorschläge zielen auf niedrige Aufnahme von Kohlenhydraten (z. B. Wolfgang Lutz "Leben ohne Brot"). Kürzlich wurde in Würzburg eine Phase 1 Studie gestartet, die die Wirkung einer kohlehydratarmen Diät bei Krebspatienten untersuchen soll, aus Budgetgründen wird sie derzeit aber nicht weiter geführt (dazu ein englischer Artikel in der Time: low carb study).

In unserem Forum berichtet eine Patientin, dass eine eigentlich zur Bekämpfung des Brustkrebs gedachte Diät als Nebenwirkung auch Ledderhoseknoten zum Verschwinden gebracht hat. Bei dieser Diät wird versucht weitgehend Lebensmittel zu vermeiden, die Progesteron (Gelbkörperhormon) enthalten Link_Progesteronvermeiden. Progesteron ist ein ein weibliches Sexualhormon (Gestagen), das vor allem in Milch- und Eiprodukten vorkommt.

Ein weiteres Diätkonzept erhöht den Anteil von Antioxidantien. Zum Beispiel berichtet ein Patient in unserem englischen Forum, dass seine Knoten sich jedes Mal deutlich zurückbildeten, wenn er während der Erntezeit sehr große Mengen Tomaten aß. Ähnlich wirkt wohl auch die Einnahme von NAC, das die Wachstumsgeschwindigkeit von Dupuytrenknoten anscheinend reduziert und Stränge weicher macht. - Andere Patienten berichten vom Schrumpfen ihrer Knoten nach längerer veganer Diät, natürlich auch ohne Alkohol und Kaffee.

Die hier vorgestellten Diäten sind sehr unterschiedlich, und ihre Ergebnisse sind nur durch persönliche Erfahrungen belegt, nicht statistisch untermauert. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Diäten bei der Dupuytren-Krankheit. Auch bei Krebs gibt es viele Empfehlungen, aber die beleg für die Wirksamkeit sind sehr dünn (z. B. "Die Angst isst mit", SZ vom 23.1.2014 link). Wir betrachten Diäten zur Behandlung der Dupuytren-Krankheit deshalb als experimentell und weisen darauf hin, dass Diäten auch Mangelerscheinungen und andere Nebenwirkungen zur Folge haben können. Andererseits haben auch die meisten anderen Therapieansätze bei Morbus Dupuytren oder Ledderhose Nebenwirkungen. Über Kommentare und Erfahrungen zur Wirkung von Diäten auf MD / ML würden wir uns freuen; bitte schreiben Sie uns oder posten Sie in unserem Forum.

 

 

Diese Seite wurde zuletzt überarbeitet am 19.02.2014


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