Enzyminjektion (Collagenase)
Eine amerikanische Studie berichtet von einer klinischen Phase-2 Untersuchung, bei der im fortgeschrittenen Stadium des Morbus Dupuytren als nichtoperative Methode ein Enzym (Clostridiale Collagenase) in die Dupuytrenknoten gespritzt wurde um die Stränge zu schwächen, die die Kontraktur bewirken. Dupuytren-Stränge bestehen vorwiegend aus Kollagen, das von dem eingespritzten Enzym Kollagenase zersetzt wird. Nach einigen Tagen wird der Strang - wie bei der Nadelfasziotomie - manuell und mechanisch aufgebrochen. Das Vorgehen bei Collagenase-Injektion und Nadelfasziotomie ist sehr ähnlich, die Collagenase ersetzt dabei die Schwächung des Strangs durch die Nadel.
Die Studie untersucht eine größere Anzahl von Patienten und zeigt, dass in den meisten Fällen selbst stark gekrümmte Finger nach einem Monat wieder gestreckt werden konnten. Die Studie bezeichnet die Enzyminjektion als sichere und wirksame Methode und als Alternative zur Handoperation. ("In fact some of our patients who have had fasciectomy on one hand but have been treated in our trials for the contralateral hand have commented in glowing terms that the less invasive injection treatment was far superior to their surgical experience.") Die Therapie scheint auch längerfristig wirksam zu sein: nach 4 Jahren liegt die Rückfallquote unter 5 %, und es wurde keine Erkrankung anderer Finger beobachtet. Es gibt also schon statistisch aussagekräftige Belege für die Wirksamkeit dieser Therapie und deren Langzeiteffekt.
Falls die gegenwärtige Phase 3 der klinischen Erprobung erfolgreich abgeschlossen werden kann, und sobald die Nebenwirkungen beurteilbar sind, sehen wir in dieser Therapie eine gute Alternative und werden sie ausführlicher beschreiben. Die Freigabe dieser Therapie durch die amerikanische FDA wird in etwa einem Jahr erwartet.
Zukünftige Zulassung der Collagenase-Injektion
Die Phase 3 ist die letzte Stufe vor einer Medikamenten-Zulassung in den USA und erfordert Tests in unterschiedlichen Kliniken. Die Phase 3 der Collagenase-Zulassung ist inzwischen abgeschlossen. Nach unserem Wissen nahmen an der Phase 3 vornehmlich Kliniken in den USA und Australien teil (Hinweise dazu finden Sie auf unserer englischen Web Site). Es wird nun die Zulassung der Collagenase-Injektion durch die amerikanische FDA erwartet, vermutlich im 1. Quartal 2010. Anschließend wird die Zulassung für Europa beantragt werden. Diese Zulassung dauert erfahrungsgemäß weitere 1 - 1,5 Jahre.
In unserem englischen Forum berichten einige Patienten über erste Erfahrungen mit der Collagenase -Behandlung, z. B. in den Themen "Auxilium AA4500 Phase 3 Clinical Trial Experience" und "Auxilium AA4500 Trials Report".
Hinweis: eine Zeit lang wurde Collagenase unter dem Namen AA4500 vermarktet. Inzwischen nennt der Hersteller Auxilium sein Produkt Xiaflex. Die Vermarktung von Xiaflex soll in Europa durch Pfizer erfolgen.
Videoaufnahme einer Collagenase-Behandlung
Bei YouToube hat eine Patientin einige Videos eingestellt, die verschiedene Phasen ihrer Behandlung mit Collagenase zeigen. Man sieht nichts von der Behandlung selbst, aber die Stadien vor, während und nach der Behandlung und die damit verbundenen Gefühle der Patientin. Die Videos sind in Englisch
Collagenase und Nadelfasziotomie (PNF) - was ist der Unterschied?
Die Behandlung der Dupuytrenschen Kontraktur mit Collagenase hat einige Ähnlichkeit mit der Nadelfasziotomie (auch PNF oder Fibrosenperforation genannt). Beide Methoden behandeln fortgeschrittene Stadien mit einem bereits gekrümmten Finger und schwächen als erstes den Strang, der die Streckung des Fingers verhindert. Bei der Nadelfasziotomie geschieht dies durch wiederholtes Durchstechen mit einer Nadel, bei der Collagenase-Behandlung durch Einspritzen von Collagenase in den Strang, wodurch im Lauf einiger Tage Teile des Strangs auf- oder angelöst werden. Nach dieser Schwächung wird beiden Methoden der Finger mechanisch gestreckt und der Strang dabei zerrissen, sodass der Finger anschließend wieder gestreckt werden kann. Der Unterschied zwischen beiden Therapien besteht im Wesentlichen darin, wie der Strang geschwächt wird, bevor er mechanisch zerrissen wird. Deshalb wird die Injektion von Kollagenase manchmal auch als Enzymfasziotomie bezeichnet. Mit Kollagenase dauert die Behandlung länger (mindestens zwei Sitzungen, die erste zum Einspritzen, die zweite zum Zerreissen des Strangs), dafür wurde die Hoffnung geäußert, dass die Behandlung mit Kollagenase länger vorhält als mit der PNF.
Ist Collagenase für Ledderhose oder Peyronie (IPP) geeignet?
Collagenase wurde bisher nicht für die Behandlung der Ledderhose-Krankheit getestet. Das mag an der kleineren Zahl von Patienten liegen oder daran, dass bei Ledderhose weniger Stränge, sondern meistens große Knoten typisch sind. Collagenase wurde vorgeschlagen für die Behandlung der Induratio Penis Plastica (Peyronie-Krankheit), jedoch wurde bisher dafür kein Freigabeverfahren beantragt (derzeit in Phase IIb der amerkanischen Freigabetests).
Literatur zur Injektion von Collagenase als Therapie der Dupuytrenschen Kontraktur
Mit Genehmigung der ASSH und Elsevier veröffentlichen wir die zwei Originalarbeiten über die Behandlung des Morbus Dupuytren mit Collagenase.
Marie Badalamente et al. "Collagen as a Clinical Target: Nonoperative Treatment of Dupuytren's Disease" The Journal of Hand Surgery / Vol. 27A No. 5 September 2002, p 788 - 798
Marie Badalamente and Lawrence Hurst "Efficacy and Safety of Injectable Mixed Collagenase Subtypes in the Treatment of Dupuytren’s Contracture" The Journal of Hand Surgery / Vol. 32A No. 6 July–August 2007, p 767 - 774
Lawrence Hurst et al. "Injectable Collagenase Clostridium Histolyticum for Dupuytren’s Contracture" N Engl J Med 361 (2009) p 968-79. Die Veröffentlichung enthält die Ergebnisse der Phase III (Kliniktests) des Zulassungsverfahren. -- Wir warten auf die Genehmigung des verlags den Volltext hier wieder zu geben. Inzwischen können sie den Text entwrder beim NEJM kaufen oder sich mit der Bitte um eine Kopie an die Authoren oder den Dupuytren e.V. wenden. abstract.
Diese Seite wurde zuletzt überarbeitet am 17.12.2009
