Die Dupuytrensche Kontraktur - Alter und Geschlecht beeinflussen die Krankheit

Der Morbus Dupuytren tritt meist erstmals im mittleren Lebensalter auf, bei Männern im Durchschnitt deutlich früher als bei Frauen. Gelegentlich wurde die Dupuytrensche Krankheit auch schon bei Kindern beobachtet, z. B. bei einem 10-järigen Jungen "Dupuytren's disease in a child: a case report" Dupuytren_child_abstract. Man schätzt, dass ca. 20 % der 30 - 50-Jährigen - und hier Männer zwei- bis achtmal häufiger als Frauen - und 40 % der 80-Jährigen in der Bevölkerung (in diesem Alter Männer und Frauen dann etwa gleich häufig) betroffen sind.

Prevalence of Dupuytren's contracture for different age groups.

Abbildung aus Douglas Ross "Epidemiology of Dupuytren's Disease" in R. Tubiana and G. Rayan (Eds.) "Dupuytren's Disease" Hand Clinics 15 (1999), veröffentlicht mit Genehmigung von Elsevier.

In Veröffentlichungen wird oft berichtet, dass die Dupuytrensche Kontraktur bei Männern x mal häufiger auftritt als bei Frauen, wobei x meistens einen Wert zwischen 2 und 8 hat. Dieses Verhältnis wird berechnet indem die behandelten Patienten ausgezählt werden und ist eigentlich etwas irreführend. Wie das obige Bild zeigt, setzt die Dupuytrensche Krankheit bei Männern im Durchschnitt  10 - 20 Jahre früher ein als bei Frauen. Das hat zur Folge, dass Männer häufiger behandelt werden und führt dann zu den berichteten Zahlenverhältnissen, die aber offensichtlich stark vom Durchschnittsalter der untersuchten Gruppe abhängen. Etwas abweichend vom obigen Bild berichten Forscher, dass in der Gruppe mit mehr als 80 Jahren der Anteil von Männern und Frauen in etwa gleich ist (z. B. die Doktorarbeit von Moermans thesis of J.P. Moermans), Mikkelsen beobachtet in der obigen Veröffentlichung ein Verhältnis von Männer : Frauen von 1.2 : 1 f für die Altergruppe 85 - 89). Wahrscheinliich wegen des früheren Beginns der Krankheit leiden Männer im Durchschnitt unter einer stärkeren Ausprägung der Krankheit.

Der Grund, warum die Dupuytrensche Kontraktur bei Männern in jüngeren Jahren auftritt as bei Frauen ist noch ungeklärt . Eine mögliche Erklärung könnte die stärkere Beanspruchung der Hand sein. Einen anderen Erklärungsansatz verfolgt A. Pagnotta et al. "Androgen receptors in Dupuytren's contracture" J. Orthop. Res. 20 (2002) 163-168 abstract

Einige Untersuchungen finden sogar einen niedrigen Anteil von Männern über 80 und erklären das durch eine höhere Sterblichkeit der Dupuytrenpatienten (Wilbrand et al (2005), Gudmundsson et al (2002) und Mikkelsen et al. (1999) ). Der Grund für diese höhere Sterblichkeit - falls sie wirklich existiert - ist bisher noch unklar.

Die eigentliche Ursache des Morbus Dupuytren ist vermutlich eine erbliche Veranlagung, kombiniert mit einem oder mehreren Auslösern, zum Beispiel Verletzungen. Vor kurzem wurde berichtet, dass das für den Morbus Dupuytren verantwortliche Gen zwar noch nicht eindeutig bestimmt, aber im Genom lokalisiert sei (der Artikel ist in Englisch: dupuytren_genom).

 

Geographische Verbreitung der Dupuytrenschen Krankheit

Die Dupuytrensche Kontraktur (Dupuytren'sche Kontraktur) tritt überwiegend in Mittel- und Nordeuropa sowie in Nordamerika, dagegen seltener in Afrika auf. In neuerer Zeit sind Fälle aus Japan und China berichtet worden, wobei die Häufigkeit in Japan wohl etwa gleich ist wie in Europa, der Verlauf jedoch leichter. Die Prävalenz beträgt in den westlichen Industrieländern insgesamt 1 - 3 % und ist in Frankreich, Irland und Schottland mit ca. 17 % am höchsten. Relativ häufig ist die Krankheit auch in Australien. In Deutschland schätzt man die Gesamtzahl der MD-Patienten auf 1,3 - 1,9 Millionen (Brenner, 2001). Die folgende Abbildung zeigt die Prozentsätze von Erkrankten in verschiedenen Ländern und widerlegt die These, dass die Dupuytrensche Krankheit eine Krankheit der Kelten oder Wikinger ist.

 

Häufigkeit der Dupuytrenschen Kontrktur in verschiedenen Ländern

Abbildung von S 55 von Douglas Ross "Epidemiology of Dupuytren's Disease" in R. Tubiana and G. Rayan (Eds.) "Dupuytren's Disease" Hand Clinics 15 (1999), veröffentlicht mit Genehmigung von Elsevier.

Anders als i. a. angenommen scheint die Dupuytrensche Kontratur auch in mediterranen Ländern aufzutreten. Das Fehlen von Statistiken dazu liegt möglicherweise an den fehlenden Untersuchungen. Eine kürzlich durchgeführte Studie in Bosnien-Herzegowina ergab eine sehr hohen Prozentsatz (11-17 % in der Altersgruppe 50 - 54 Jahre, 41 - 75 % bei 75 -79 Jahre; der erste Wert jeweils für Frauen) Volltext_Dupuytren Bosnien. Die Autoren stellen hohe Prävalenz bei der kroatisch und serbischen Bevölkerung, eine niedrige bei der muslimischen Bevölkerung fest, obwohl die beiden Bevölkerungsgruppen eng miteinander verwandt sind.

Seite zuletzt überarbeitet: 22.06.2009