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Histologie und Rezidiv
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26.07.21 10:04
DeuxMilles 
Histologie und Rezidiv

Hallo zusammen,

lässt sich aus dem histologischen Befund ein Rückschluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs ziehen?

LG,
D.

26.07.21 10:28
wach 

Administrator

Re: Histologie und Rezidiv

Ein Rezidiv lässt sich leider nicht individuell vorhersagen. Es gibt höchstens Wahrscheinlichkeiten aufgrund der Statistik. Die Histologie bringt meiner Meinung nach nur den Hinweis, dass Dupuytren vorliegen könnte, aber nicht mal das lässt sich aus der Histologie genau sagen. Dazu sind die histologischen Charakteristika anscheinend zu unspezifisch. Details finden sich z.B. in Doktorarbeiten https://www.zhb.uni-luebeck.de/epubs/ediss25.pdf .

Wahrscheinlichkeiten nimmt man aus dem Vorliegen von Risikofaktoren, Stichwort Diathese. Ein Überblick über die Literatur dazu ist auf https://dupuytrens.org/dupuytren-literat...logic-severity/ . Aber auch bei der Diathese gehen die Meinungen und Veröffentlichungen weit auseinander.

Die amerikanische Dupuytren Research Group führt derzeit eine Studie durch, bei der nach einem Marker im Blut gesucht wird, mit dem man hofft die Aggressivität der Krankheit messen zu können. Bisher gibt es aber noch keine positiven Ergebnisse.

Wolfgang

Zuletzt bearbeitet am 26.07.21 10:35

26.07.21 11:18
DeuxMilles 
Re: Histologie und Rezidiv

Hallo,

danke für die schnelle Antwort. Dass es sich um MD handelt erscheint mir gesichert: erblich vorbelastet (der Vater hat MD), die Knoten und Stränge an beiden Händen sind sehr typisch. MRT-Befund "Dupuytrenstrang D4", OP-Bericht "M.D. 4. und 3. Strahl re. Hand, Ringbandstenose A1 D4".

Mich wundert es nur, dass der Operateur nach Erhalt des histologischen Berichts beim Kontrollbesuch mitgeteilt hat, dass der "Status" ein Rezidiv wahrscheinlich machen würde. Ich habe davon auch noch nichts gehört, deshalb meine Nachfrage hier.

Ende der Woche ist Fadenzug, ich werde dann um eine Kopie des Befundberichts bitten.

LG,
D.

26.07.21 14:27
wach 

Administrator

Re: Histologie und Rezidiv

Wäre interessant, wie er aus dem histologischen Ergebnis die Rezidivwahrscheinlichkeit ableitet. Dass du erblich belastet bist, macht ein Rezidiv tatsächlich etwas wahrscheinlicher, aber das hat mit Histologie nichts zu tun.

Wolfgang

26.07.21 16:37
wach 

Administrator

Re: Histologie und Rezidiv

Eine Korrektur zu dem, was ich vorher gepostet habe: 2009 wurde eine französische Untersuchung veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen dem histologischem Stadium und der Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs findet:

T Belaguer et al. " Histological staging and Dupuytren's disease recurrence or extension after surgical treatment: a retrospective study of 124 patients" J Hand Surg Eur Vol (2009) 34(4):493-6.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19675030/

Die Studie scheint vernünftig aufgebaut zu sein. Allerdings sind die Fallzahlen klein (22 Hände mit Histologie Typ I, 90 Hände mit Typ II und 27 Hänge mit Typ III). Das noch aufgeteilt in verschiedene Nachfolgezeiten ergibt in einigen Gruppen leider kleine Zahlen.

Das Ergebnis (nach Table 2):
Rezidiv der histologischen Typen, abhängig von der Zeit

___________3-4 Jahre_______5-7 Jahre_______8-9 Jahre
___________follow-up
Typ I_______37%___________57%__________71%
Typ II______30%___________31%__________32%
Typ III_______0%___________0%__________ 20%
(die Forumsoftware stellt das leider nicht besondesr gut dar, in der Veröffentlichung ist es besser lesbar).

Scheint schon was dran zu sein, auch wenn die Zahlen bei einer weiteren Untersuchung statistisch wahrscheinlich noch ziemlich streuen würden. Individuell lässt sich natürlich trotzdem keine gesicherte Aussage machen.

Wolfgang

Zuletzt bearbeitet am 26.07.21 16:43

26.07.21 17:13
DeuxMilles 
Re: Histologie und Rezidiv

Hallo,

der Link zur Studie funktioniert nicht, die Tabelle ist im Forum aber durchaus lesbar.
"Typ I" = "Proliferationsphase"?

So wie ich das verstehe ist das eine frühe Phase der Erkrankung, das würde auch passen. Ich war rein vom Streckdefizit noch lange nicht reif für eine OP. Allerdings vermischt sich der MD mit einer Ringbandstenose sowie Entzündung der Sehnenscheide. Ich habe auch Probleme mit der Beweglichkeit (Klavier!) sowie Schmerzen in der Hand. In der Summe fiel die Entscheidung für die OP.

Wenn die Zahlen aus der Studie zutreffen darf ich mich wohl schon darauf einstellen in den nächsten Jahren erneut Probleme zu bekommen, dazu kommt noch die linke, noch unoperierte Hand. Die ist sichtbar stärker betroffen, macht aber bislang keinerlei Probleme.

LG,
D.

26.07.21 17:40
wach 

Administrator

Re: Histologie und Rezidiv

Komisch, bei mir funktioniert der Link.

Zur Typisierung:

Type I or proliferative stage

Type II or fibrocellular- This is an intermediate
stage with highly cellular nodules and areas with reduced
cellularity and abundant collagen fibrosis.

Type III or fibrotic stage: removal material is
considerably less cellular with increased amounts of
dense and hyaline collagen arranged in broad bundles

27.07.21 07:31
Carls 
Re: Histologie und Rezidiv

Im Deutschen werden die Begriffe

Proliferatiomnsstadium
Residualstadium und
Involutionsstadium
benutzt


Bei der pathologisch-anatomischen Begutachtung findet man sehr häufig das Proliferationsstadium, d.h., die Erkrankung ist aktiv.

Ich persönlich stelle diese Patienten nach der OP zu einem Gespräch in der Strahlentherapie vor, um dann nach Tumormassenreduktion die Rezidivwahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Die anderen Stadien sehe ich häufig bei älteren Patienten (etwa ab 80).

Bislang habe ich dadurch nur sehr wenige Rezidive gesehen.

Zuletzt bearbeitet am 27.07.21 07:32

27.07.21 08:21
DeuxMilles 
Re: Histologie und Rezidiv

Hallo,

Carls:
Bei der pathologisch-anatomischen Begutachtung findet man sehr häufig das Proliferationsstadium, d.h., die Erkrankung ist aktiv.

das widerspricht der Studie:
From the 139 hands with DD, 22 were type I (16%), 90 were type II (65%) and 27 were type III (19%).


LG,
D.

27.07.21 08:40
wach 

Administrator

Re: Histologie und Rezidiv

Bei den Franzosen ist die Verteilung halt anders, das ist eines der Probleme bei Studien an nur einem Krankenhaus und mit geringen Fallzahlen. Andererseits zeigt es auch wie sinnlos manchmal die immer wieder gehörten Sprüche von Ärzten sind "wir haben die besten Erfahrungen mit diesem oder jenem Verfahren gemacht". Sie haben halt nie etwas anderes gemacht und deshalb machen sie es so weiter (das ist aber jetzt nicht gegen Carls!). Evidenz geht anders.

Wolfgang

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