Schon mein Vater hatte Morbus Dupuytren (MD) an beiden Händen und war (vor 35 Jahren) operiert worden. Als ich ihn einmal besuchte, lernte ich den berühmten (inzwischen verstorbenen) Cellisten Enrico Mainardi kennen. Auch er hatte MD und sich operieren lassen. Danach hat er wieder gespielt und ist aufgetreten. Ich glaube, die meisten Leute haben das weder gewusst noch einen Unterschied gehört.
Als ich im Alter von 53 Jahren die charakteristischen Knötchen an meiner linken Hand entdeckte, dachte ich sofort an Operation. Ärzte, die ich konsultierte, meinten, ich sollte abwarten und mich erst dann operieren lassen, wenn die Finger sich nicht mehr durchstrecken ließen. Eine Alternative gebe es nicht.
Zum Glück stieß ich im Internet auf das Dupuytren -Forum und erfuhr zum ersten Mal etwas über Strahlentherapie. Daraufhin ließ ich mir einen Termin in der vom Forum empfohlenen Dermatologischen Klinik in München (Biedersteinerstraße 29, http://www.dupuytren-online.de/strahlentherapie_adressen.html) geben. Die Ärztin, der ich bei diesem ersten Termin meine Handinnenfläche zeigte, meinte spontan, das sei ein Ekzem. Dann klärte ich sie auf, dass man diese drei erhabenen, knapp einen Zentimeter breiten harten Knoten und die beiden verdickten und verhärteten Sehnenstränge MD nennt. Da hat sie etwas dazugelernt und ich bekam einen neuen Termin bei einer Spezialistin. (Vielleicht könnte man gleich beim ersten Mal einen Termin bei Frau Dr. Knott oder Herrn Dr. PD Brockow bekommen, den Röntgen-Spezialisten an der Klinik.)
Der Anfang meiner Behandlung war also nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber beim zweiten Termin, bei Frau Dr. Knott, fühlte ich mich in guten Händen. Zufällig waren an diesem Tag auch noch zwei MD-ProfessorInnen im Haus, die meine Hand begutachteten und mich auf meine knuckle pads (verdickte, manchmal schmerzhafte Knöchel an den Fingern) aufmerksam machten, die ich vorher gar nicht mit MD in Zusammenhang gebracht hatte.
Meine Hand wurde fotografiert und dann bestrahlt: Ich ließ mir eine Bleischürze und ein Schilddrüsenschutz geben, obwohl dies nicht nötig sei. Die Ärztin war nur durch ein Dosimeter „geschützt“ und meinte, die Dosis sei so gering, dass solche Vorsichtsmaßnahmen überflüssig seien. Aber sicher ist sicher. Dann setzte ich mich auf einen Stuhl und legte meine Hand mit der Handinnenfläche nach oben auf ein abschirmendes Kissen. Auf meine Hand wurde ein anschmiegsamer Blei- oder Gummischutz gelegt, in den eine genau für meine Knoten passende Öffnung geschnitten worden war. Für jeden Knoten wurde ein separater Schutz hergestellt und mit meinem Namen beschriftet. Auf diesen Schutz wurde eine Glasplatte gelegt und sanft vom „Rüssel“ des altertümlichen Siemens-Weichstrahlröntgengeräts auf die Handinnenfläche gedrückt, wobei sich das Zentrum genau über meinem Knoten befand. Der wassergekühlte Röntgenapparat bestrahlte jeden Knoten 2 Minuten und 33 Sekunden lang mit einer ganz niedrigen Dosis. (Damit’s nicht langweilig wird, sollte man sich etwas zum Lesen mitnehmen.)
Am nächsten Tag musste ich noch einmal zum Bestrahlen und danach alle 8 Wochen, jeweils an 2 aufeinanderfolgenden Tagen. Das ging immer sehr schnell und ohne lange Wartezeit.
Das Resultat hat mich überrascht. Schon nach den ersten beiden Bestrahlungen spürte ich, dass etwas im Inneren meiner Hand „arbeitete“. Es tat nicht weh, aber es fühlte sich an, als ob sich meine Innenhand neu strukturierte. Schon damals glaubte ich, einen Rückgang meiner Knoten, die vorher mehr als linsengroß gewesen waren, feststellen zu können. Nach Bestrahlung Nummer 3 und 4 war es eindeutig, dass die Knoten und Stränge (etwa drei Zentimeter lang) weicher und weniger erhaben wurden. Auch die knuckle pads bildeten sich allmählich zurück.
Gab es auch Nachteile? Nach einem Bestrahlungstermin verfärbte sich die Haut an den bestrahlten Stellen bräunlich, als ob sie verbrannt worden wäre. Auf diesen Nebeneffekt, der sich durch häufiges Eincremen abmildern lässt, war ich vorbereitet worden. Als ich meine Hand noch mehr eincremte als vorher, wurde die Haut wieder normal.
Vor fast einem Jahr wurde meine Behandlung abgeschlossen. Ein halbes Jahr danach fand eine äußerst oberflächliche Nachuntersuchung statt, bei der nicht einmal die Vorher-Fotos zum Vergleich hergeholt wurden.
Inzwischen muss man meine Handinnenfläche sehr genau anschauen, wenn man überhaupt etwas entdecken will:
Ich kann unbehindert auf der Tastatur schreiben und Klavier spielen. Bei all meinen Tätigkeiten erlebe ich keine Einschränkungen.
Ohne Angst und Schrecken denke ich daran, dass ich unter Umständen die Behandlung wiederholen muss. Und da die Entwicklung meiner Krankheit nun wieder fast bei Null anfängt, schaue ich sehr optimistisch in die Zukunft.
Gern beantworte ich weitere Fragen zu dieser Therapie.
Fiona
Dezember 2007